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News-Artikel

1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland


Einen besonderen Schwerpunkt legt die VHS Meerbusch in diesem Jahr u.a. auf Veranstaltungen, die im Rahmen des Jubiläumsjahrs "1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland" durchgeführt werden. Ganz aktuell besuchten zwei Deutschkurse für Zugewanderte, die die VHS im Auftrag der Bezirksregierung Düsseldorf durchführt, im LVR-Landeshaus in Köln die Ausstellung "Menschen, Bilder, Orte".

"Gerade für die Zugereisten ist dieses Thema spannend, denn oftmals setzt man sich im Heimatland unserer Teilnehmenden nicht oder auf ganz andere Weise mit dem Thema auseinander", sagt VHS-Leiterin Béatrice Delassalle-Wischert, die den Ausflug für die insgesamt 20 Kursteilnehmenden zusammen mit VHS-Dozent Necip Soy organisiert hat.

Damit der Ausstellungsbesuch auch rundum gut verstanden und verinnerlicht werden kann, bereiteten die Deutschlernenden, die aus Armenien, Bulgarien, Georgien, Guinea, dem Iran und dem Kongo sowie aus der Ukraine kommen, im Unterricht bereits im Vorfeld Referate zu einzelnen Themen der Ausstellung vor. Somit wussten sie z B. schon, dass Kaiser Konstantin im Jahr 321 ein reichsweites Gesetz erließ, wonach Juden von diesem Moment an in die Stadträte berufen werden konnten. Das Schreiben richtete sich explizit an den Kölner Stadtrat und weist damit als älteste erhaltene Quelle auf das Vorhandensein von Juden im Raum nördlich der Alpen hin. "Das Thema an sich rief bei unseren Teilnehmenden schon in der Vorbereitungsphase große Aufmerksamkeit hervor, so sehr, dass sie beschlossen, auch ihre Kinder an dem Museumsbesuch teilnehmen zu lassen", freut sich die VHS-Leiterin. Souverän betreut wurden die Meerbuscher Besucher vor Ort von Charlotte Pinon. Im regen Dialog vor bzw. nach dem Ausstellungsbesuch erfuhren die Zugewanderten von der wissenschaftlichen Volontärin im LVR-Dezernat Kultur und Landschaftliche Kulturpflege ganz viel über die jüdischen Feiertage und Feste, wie Jom Kippur, den Versöhnungstag, oder Chanukka, das Lichterfest. Über das Schicksal einzelner Personen, wie Henry Gruen (geb. Heinz Grünebaum), der im Rahmen der Kindertransporte überlebte und nach Aufenthalten in England und den USA wieder nach Köln zurückkehrte. Über Kaschrut, die jüdischen Speisegesetze. Über jüdische Hochzeiten und die Chuppa, den Traubaldachin. Über Vorwürfe, denen sich Juden immer wieder ausgesetzt sahen, bereits im Mittelalter, als man ihnen vorwarf, die Pest ausgelöst und Brunnen vergiftet zu haben (Pestpogrom von 1349). Und natürlich auch über die Schoa, den nationalsozialistischen Völkermord an den Juden in Europa. "Viele Informationen, die aber aufgrund der sehr guten Vorbereitung auf den Tag, gut verdaut werden konnten", bestätigt VHS-Dozent Soy. Auch Kursteilnehmer Ivo Nedyalkov unterstrich nach dem Besuch der insgesamt vier begehbaren Ausstellungs-Kuben: "Eine super Bereicherung für unseren Unterricht. Wir haben viel dazu gelernt!"

Natürlich kann ein Köln-Aufenthalt nicht ohne Besuch des Kölner Doms erfolgen, das gotische Meisterwerk aus sechs Jahrhunderten, das seit 1996 zum UNESCO Welterbe zählt. Oder einen Gang über die Hohenzollernbrücke. Einige Höhepunkte, die den ereignisreichen Tag abrundeten und für die die Teilnehmenden ebenfalls Referate vorbereitet hatten. Die VHS-Leiterin und der langjährige Dozent ziehen ein positives Fazit. Die Mühe der Vorbereitung habe sich gelohnt, denn die vertiefte Beschäftigung mit dem Thema trage dazu bei, das vielfältige jüdische Leben in Deutschland erfahrbar zu machen und das gute Miteinander der Kulturen zu fördern.


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